Duzen oder Siezen?

Aus gegebenen Anlass möchte ich das Thema duzen oder siezen aufgreifen und meine Sichtweise in diesem Beitrag erläutern. Denn das Thema führte zu einer Diskussion in einer Gruppen-Community nach einer Vorstellungsrunde meinerseits.  

Auf meiner Webseite habe ich mich bewusst für das DU entschieden. Zum Einen da die Onlineforen-Kultur bereits in ihren Anfängen vom du geprägt war und zum Anderen spreche ich damit eine bestimmte Zielgruppe an. 

Auch gesetztere Medienmarken, die in ihren traditionellen Kanälen das Sie pflegen, duzen ihre Leser in den sozialen Medien. Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen spielen meines Erachtens hierbei die tragende Rolle.

Allerdings fühlen manche mit du angesprochene Leser sich davon nicht nur irritiert, sondern persönlich angegriffen. In meinem Fall hatte man mir zu verstehen gegeben, das potenzielle Kunden sich mit einem du nicht angesprochen fühlen. Nicht weil sie es als respektlos empfinden, sondern weil es im Geschäftsleben bei Unbekannten nicht üblich sei. Ihrer Meinung nach sollte eine Geschäftsbeziehung distanziert sein. Vor allem, wenn es zu Unstimmigkeiten komme, ist das Sie hilfreicher. 

Diese Meinung kann ich nicht teilen. Unstimmigkeiten sind immer unschön und bisher habe ich es nicht als hilfreicher empfunden sich dabei zu siezen. Zudem werden im Berufsleben Unstimmigkeiten zumeist in einem ungleichen Machtverhältnis ausgetragen. Und dies ist meiner Meinung nach auch der Grund warum viele Führungskräfte und Vorgesetzte Schwierigkeiten mit der Duz-Kultur haben. Sie fürchten um den Verlust ihrer Autorität. Respekt kommt aber nicht automatisch mit dem Sie. Es entspricht eher unserer deutschen Denk- und Arbeitskultur. Distanziertheit hilft dabei, sich von persönlichen Angriffen nicht getroffen zu fühlen. Gute Argumente überzeugen auch ohne, dass du eine vertrauliche Nähe herstellen musst.

Ebenso hängt Förmlichkeit nicht zwangsläufig mit der Anrede zusammen. Hast du Förmlichkeit mal bei google eingegeben? „Förmliches , steifes Verhalten“ oder „eine steife, kalte Förmlichkeit“. Für mich ist das keine Grundlage einer langfristigen guten Geschäftsbeziehung. 

Passend zu diesem Thema verfasst auch die Wirtschaftswoche einen Zeitungsbericht zur Unternehmenskultur. Besonders erwähnenswert finde ich die Aussage des DAX-Konzerns Continental Herrn Elmar Degenhardt. ER hat zur Vorlage des Jahreszahlen erstmals auf die Krawatte verzichtet und begründet dies so: „Die junge Generation, die heranwächst und die wir in unseren Unternehmen aufnehmen und integrieren, die hat andere Ansprüche. Und das ist ein Zeichen für unsere Flexibilität; die Mitarbeiter müssen sich wohlfühlen, wenn sie zur Arbeit kommen, ansonsten werden sie nicht ihre volle Leistung bringen.“

Fehlende Krawatte wird zu Symbol des Kulturwandels 

Flexibilität in der Führungsetage! Nicht mehr nur der Mitarbeiter muss flexibel sein, sondern auch der Arbeitgeber. Die Erkenntnis ist lobenswert.

Für Herrn Rolf Wunderer ist das Fehlen der Krawatte zwar noch kein großer Kulturwandel, aber wenn Chefs Mitarbeiter das du anbieten, sei dies nochmal eine ganz andere Sache. Das sei zum einen strak von der Unternehmenskultur sowie der Region abhängig. Zum Beispiel spricht man sich in den Vereinigten Staaten grundsätzlich mit dem Vornamen an. In Österreich werden Betriebsangehörige teils noch mit ihrem Titel angesprochen. 

Wie Herr Wunderer bin auch ich der Auffassung, dass der Kulturwandel 4.0 von der Kultur des Unternehmens abhängig ist. Aus eigener Erfahrung kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass in einigen Abteilungen mit Sicherheit niemals ein Du-Angebot kommen wird. 

Die Digitalisierung hat Einzug in alle Lebensbereiche genommen. Das Internet und das Smartphone sind Teil unserer Alltags geworden und haben nicht nur unser Informations- und Kommunikationsverhalten, sondern auch die Art, wie wir leben, arbeiten und einkaufen verändert. Der Kulturwandel 4.0 fordert und fördert das Umdenken unserer bisherigen Arbeits- und Verhaltensweisen. Mehr Mut und Ergebnisorientierung, aber auch größere Freiräume und Entscheidungswege, die Abschaffung von Herrschaftswissen. Ich persönlich freue mich auf diese neue Zeit, sowohl im Arbeits- wie auch im Privatbereich. 

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